BAG-Direktorin Anne Lévy: "Die Digitalisierung ist eine meiner persönlichen Prioritäten."

Von den Schwachstellen, die uns Corona in den vergangenen Monaten aufgezeigt hat, gehören Versäumnisse bei der Digitalisierung zu den grössten. Anne Lévy, Direktorin des BAG, gibt im Hinblick auf die Digitalisierung Auskunft über die Zukunft des Schweizer Gesundheitssystems. 

Die Pandemie hat deutlich aufgezeigt, dass das gesamte Gesundheitssystem im Bereich der Digitalisierung Verbesserungsbedarf hat. Im Interview mit Interpharma erzählt Anne Lévy, wie das Gesundheitssystem fit für die Zukunft wird. Ein wichtiger Aspekt sei dabei die Entwicklung und Etablierung von nationalen Daten-Standards für alle Akteure im Gesundheitswesen, welche das BAG vorantreiben wird. Dafür braucht es jedoch die Mitarbeit und den Diskurs mit allen Stakeholdern. Nur so kann künftig das Potenzial der Digitalisierung genutzt werden. Allerdings brauchen solche Veränderungen Zeit, weshalb Levy betont: "Wir befinden uns in einem Transformationsprozess, den wir mit Hochdruck vorantreiben. Die Digitalisierung ist eine meiner persönlichen Prioritäten."

 

Zum Interview der Interpharma

Swiss eHealth-Barometer 2021: Corona reduziert das Tempo der Digitalisierung im Gesundheitswesen

Das Gesundheitspersonal greift in der Krisenzeit vermehrt auf analoge Methoden zur Übermittlung von Daten zurück. Hingegen erlebt die Telemedizin einen Aufschwung in Praxen. In der Bevölkerung nimmt die Akzeptanz zur Speicherung von gesundheitlichen Daten zu. Die Pandemie kann sich so mittelfristig doch noch als Katalysator für die Digitalisierung im Schweizer Gesundheitswesen erweisen.

 

Das Swiss eHealth-Barometer 2021 zeigt, dass in der Krise verstärkt standardisierte Austauschwege genutzt werden. Insgesamt werden Daten innerhalb der eigenen Gesundheitsorganisation jedoch zunehmend elektronisch ausgetauscht. Die Corona-Pandemie unterstreicht einmal mehr den gesellschaftlichen Trend in Richtung digitale Lösungen: Seit der letzten Befragung ist der Trend der Akzeptanz zur elektronischen Speicherung von Gesundheitsdaten innerhalb der Bevölkerung um 13 Prozentpunkte auf 70 Prozent gestiegen.

Zudem zeigt das Swiss eHealth-Barometer 2021, dass die Nutzung des EPDs die ursprüngliche Euphorie hemmt. Das EPD ist insgesamt in einer kritischen Einführungsphase. Ausbildungen könnten hier einen wichtigen und positiven Beitrag leisten. Knapp die Hälfte der IT-Verantwortlichen in den Spitälern finden das EPD eine "eher/sehr gute" Sache. Das entspricht 17 Prozentpunkten weniger als in der letzten Befragung. 

 

Zum Schlussbericht 

Allianz "Digitale Transformation im Gesundheitswesen" wählt Vorstand und Schwerpunkte für das Jahr 2021

Am 11. Mai 2021 haben sich die rund 26 Verbände der Allianz "Digitale Transformation im Gesundheitswesen" getroffen, um die Planung der Allianz voranzutreiben. Die Mitglieder der Allianz haben unter anderem einen Vorstand gewählt und die Schwerpunkte für das Jahr 2021 festgelegt. Ziel ist es, die Schwerpunkte in breit abgestützten Arbeitsgruppen auszuarbeiten und daraus abgeleitet der Politik konkrete Handlungsempfehlungen für die digitale Transformation im Gesundheitswesen zu unterbreiten.

 

Der Vorstand besteht aus folgenden Personen:

  • Economiesuisse, Fridolin Marty
  • FMH, Alexander Zimmer
  • GS1 Switzerland, Roland Weibel
  • IG eHealth, Anna Hitz
  • Interpharma, Marc Engelhard
  • pharmaSuisse, Ulrich Schaefer

Schwerpunkte 2021:

  • Elektronisches Patientendossier (EPD)
  • Interoperabilität im Gesundheitswesen
  • Wirtschaftliche Anreize

Position der FMH zum elektronischen Patientendossier

Das elektronische Patientendossier (EPD) unterstützt den Informationsaustausch zwischen allen am Behandlungsprozess beteiligten Personen. Seit Mai 2021 können Einwohnerinnen und Einwohner der Schweiz erstmalig ein elektronisches Patientendossier eröffnen, vorerst auf der Poststelle in Aarau. Damit das EPD von Ärztinnen und Ärzten genutzt wird, muss dessen Anwendung praxistauglich sein, in die Arbeitsabläufe integriert werden können und im Vergleich zur bisherigen Arbeitsweise einen Mehrwert bieten. Weiterhin müssen die zusätzlichen Aufwände, welche bei der Bewirtschaftung des EPD durch Ärztinnen und Ärzte anfallen, in adäquater Weise vergütet werden. Die FMH hat deshalb ein Positionspapier zum elektronischen Patientendossier veröffentlicht. Sie nimmt darin Stellung zum Begriff "behandlungsrelevante Daten", technischen Aspekten wie der Zugriffsberechtigung sowie zur Vergütung von Leistungen. 

Das Positionspapier der FMH enthält Empfehlungen, welche der Ärzteschaft als Entscheidungshilfe im Umgang mit dem EPD dienen sollen. Zudem enthält es juristische Fragestellungen, welche bei der Anwendung des EPDs relevant sein können. 

Zum Positionspapier der FMH

Gesundheitsverbände gründen Allianz «Digitale Transformation im Gesundheitswesen»

Namhafte Verbände im Gesundheitswesen haben am 26. März 2021 die Allianz «Digitale Trans­formation im Gesundheitswesen» gegründet. Ziel der Allianz ist es, die Prioritäten und den Handlungsbedarf bei der digitalen Transformation gemeinsam festzulegen, Lösungsvorschläge und Handlungsempfehlungen zu erarbeiten und mit möglichst geeinten Positionen gegenüber der Politik aufzutreten.

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